Also

Es war dieses endgültige Geräusch, das mir in der gleichen Sekunde verkündete, dass ich ganz tief in der Tinte saß. Im gleichen Augenblick bekam ich auch das Gefühl, das wohl jeder kennt, wenn einem bewusst wird, dass man einen gewaltigen Fehler gemacht hat, bei dem man niemandem die Schuld in die Schuhe schieben kann, sondern ganz alleine dafür verantwortlich ist und es absolut kein zurück gibt. Dieses Kribbeln, das im Nacken beginnt, sich sofort die Wirbelsäule entlang nach unten arbeitet und an den Pobacken einen Sammelpunkt findet um sich dort zu bündeln. Hier kommt wohl auch der Ausdruck her, dass das Herz in die Hose rutscht. Auch ein beklemmendes Gefühl im Bauch machte sich bemerkbar, ob es ein heißes oder kaltes Gefühl war, weiß ich jetzt gar nicht mehr. Doch auch das hatte etwas endgültiges.
Es waren seit diesem 'Klick',  gerade mal 5 Sekunden vergangen. Das hieß, dass ich also vor einer Minute noch den Sonnenschein auf meiner Haut gespürt habe und gar nicht richtig wahr genommen habe, was für ein schöner Spätsommertag dies doch war. Und nun war ich gefangen, im Dunkeln, ausweglos.

Seit einem guten Jahr bin ich schon ein Geocacher. Ich finde es immer wieder interessant die Reaktionen zu sehen, wenn ich meinen Mitmenschen erkläre, worum es sich beim Geocaching handelt. Auf die Frage hin, was es denn mit diesem Hobby auf sich hat, erkläre ich als erstes: 'Ich suche Tupperdosen im Wald'
Die Gesichter von den Unwissenden, den Muggels, wie sie in Geocacherkreisen genannt werden, ist immer wieder göttlich.
Muggels? Das ist ein Begriff, mit dem sehr viele Menschen etwas anfangen können
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In den Harry Potter Romanen von Joanne K. Rowling gibt es diese Muggels. Personen, die nicht des Zauberns mächtig sind und auch gefälligst nicht erfahren sollen, dass es eine spezielle Zauberwelt gibt. Ebenso ist es beim Geocaching. Die Muggels, also alle Menschen die nicht wissen, dass es diese Form der Freizeitgestaltung gibt, sollen unwissend bleiben. Allerdings kann jeder Muggel auch ganz schnell in den Kreis der Geocacher aufgenommen werden, einfach dadurch, dass er von dem Hobby erfährt.
Nachdem ich nun eine Weile die fragenden Gesichter angesehen habe, fange ich an zu erklären.
Es gibt da eine Internetseite, die heisst geocaching.com, deren Zweck es ist eine Plattform zu bieten, damit Leute wie ich es sich zum Hobby gemacht haben, Dosen zu suchen und zu verstecken. In den Dosen, die unterschiedlich groß sein können und Cache genannt werden, sind meist Dinge darin, die getauscht werden können. Ich gehe also in den Wald, suche einen Cache, finde ihn (hoffentlich), entnehme ihm etwas und lege etwas Gleichwertiges wieder hinein. Dann schreibe ich meinen Namen und das Datum in das beigefügte Logbuch und lege den Cache wieder zurück in sein Versteck.
Die Reaktionen über die Erklärung sind unterschiedlich. Manche finden es völlig bescheuert in den Wald zu rennen um eine Tupperdose zu suchen. Wo ist denn der Sinn darin? Wieso mach ich das eigentlich? Ich glaube, es ist der Jagdinstinkt, der geweckt wird. Ich begebe mich auf die Jagd auf die Dose und wenn ich den Cache gefunden habe, freue ich mich.
Andere Leute wiederum finden es ganz faszinierend und wollen es selber mal ausprobieren. Zu solch einer Kategorie gehöre ich natürlich auch. Ich hab eben vor einem Jahr solch einer Aufklärung gelauscht und fand das ganz schön spannend und wollte es selbst versuchen.
Doch woher weiß man denn nun, wo die Schätze versteckt sind? Ja klar geht man nicht einfach in die Pampa und hofft gegen eine Dose zu rennen, dafür ist die Welt und auch der kleinste Wald schon zu groß. Wie schon der Name 'Geo' vermuten lässt, es werden Satelliten benötigt. Das GPS erleichtert nicht nur die Navigation im Straßenverkehr, sondern erlaubt auch solch ein Spiel wie Geocaching. Natürlich gibt es dafür spezielle GPS-Handgeräte um sich zu orientieren.
Mitspieler verstecken nun also einen Cache irgendwo, geben die Koordinaten auf der Internetplattform bekannt und alle Mitspieler können sich auf die Suche nach dem Schatz machen.
Natürlich denkt sich der Besitzer der Dose etwas dabei, wenn er diese versteckt. Er will den Mitspielern interessante Stellen zeigen, oder sie vor Aufgaben und Rätsel stellen, die gelöst werden sollen. Der Fantasie sind absolut keine Grenzen gesetzt.

Und diese grenzenlose Fantasie wurde mir jetzt zum Verhängnis. Ich habe bereits 407 Caches gefunden, aber auch 22 Caches versteckt und weil man immer wieder etwas aussergewöhnliches machen will um seinen Mitspielern Unterhaltung und Spannung zu bieten, machte ich mich heute auf die Suche nach einer neuen Location um eine Dose zu verstecken. Das Ergebnis ist, dass ich hier mit meinem Notizblock, einer Taschenlampe, meinem GPS Empfänger und einer kleinen Flasche Wasser im Dunkeln sitze und im Arsch bin. Ich bin schon oft an dieser Stelle vorbei gelaufen und dachte mir schon immer, dass dieses Rohr jenseits des Flußes einmal begutachtet werden sollte, vielleicht böte sich da ein Geoversteck an?! Heute entschloß ich mich dieses Rohr zu erkunden. Am frühen Nachmittag telefonierte ich noch mit meiner Freundin, die im Ausland wohnt und machte mich 'Auf die Suche'. Was damit gemeint ist, weiß sie natürlich. Manchmal rollt sie schon mit den Augen, wenn wir vorhaben in eine Stadt zu gehen und ich zuvor im Internet recherchiere, welche Caches ideal liegen und diese auf mein Gerät lade. Sie meint öfter mal, dass ich ja gar nichts von der Stadt sehe, wenn ich nur auf mein GPS glotze. Mein Gegenargument lautet aber, dass mich die Mitspieler ja gerade an interessante Stellen führen. Denn auch in Städten gibt es unzählige Versteckmöglichkeiten.
Nachdem ich mich von meinem Schatz verabschiedet hatte, machte ich mich auf den Weg zu diesem Rohr. Dort angekommen studierte ich die Lage. Das Abflußrohr hatte einen Durchmesser von etwa einen Meter und es war eine Klappe aus Eisen davor, die ich nach oben klappen konnte. Mit einer Hand hielt ich die Klappe hoch, mit der anderen leuchtete ich in das Rohr hinein. Etwa 20 Meter konnte ich ausleuchten, vielleicht ergäbe sich dort um die Ecke ein Versteck. Man will es seinen Cacherkollegen ja nicht zu leicht machen, die sollten ruhig ein bisschen rein kriechen.
Ich legte meine Krempel in die Betonröhre und zog mich umständlich das Rohr hoch. Denn mit einer Hand musste ich ja die Klappe halten. Als ich schließlich drin war, ließ ich die Klappe los und bemerkte im gleichen Augenblick meinen Fehler. Die Klappe hatte einen Verschluß. Als ich kurz zuvor die Klappe hochhob, musste ich keinen Verschluß öffnen, sie war nur angelehnt und ich Trottel hab dieser Mechanik keine Beachtung geschenkt. Das Ergebnis ist das einrastende Geräusch der Klappe, das ich noch immer im Ohr habe und meine hoffnunglose Lage.

13.9.08 07:10, kommentieren

Neuer Blog, neues Glück

So, jetzt hab ich einen zweiten Blog, der meine kritischen Gedanken beinhalten soll.
Dann geben wir doch gleich mal Gas, oder?
Ist auch gerade so treffend.

Einer Aussage zufolge kann nur 1x in 1000 Jahren ein Super GAU bei einem Atomkraftwerk vorkommen.

In Europa haben wir 196 Atomkraftwerke, 13 befinden sich im Bau, weitere 19 sind geplant.

Wenn jetzt alle 1000 Jahre ein Super GAU passiert, wir aber 228 Atomkraftwerke in Europa haben, passiert dann rechnerisch nur alle 4,38 Jahre ein Super GAU?

Finde ich beruhigend. Und nachdem ja der letzte schon 22 Jahre her ist, wird es doch wieder mal höchste Zeit, oder?

Bloß gut, dass die Deutschen so sichere Atomkraftwerke haben, 17 Stück. Gut, hin und wieder meldet die Tagesschau einen kleinen Zwischenfall, aber wer nimmt das schon noch ernst? Und dass seit 'neuestem' bekannt wird, dass radioaktives Zeug ins Grundwasser gelangt, so wie in Tricastin, das ist nicht sonderlich erwähnenswert.

Aber der Trend führt eindeutig dahin. Atommüll im Grundwasser, Beispiele gibts mittlerweile nicht nur einen, aber was solls, dann sparen wir uns den Strom, wenn wir in der Nacht durst haben und zum von allein leuchtenden Wasserhahn wandern. Wenn wir noch Wasserhähne bauen, die aus Glas sind, dann hat doch das was definitiv trendiges, oder?

Übrigens wurde in Tricastin die Rhone so verseucht, dass eine tausendfache Uranbelastung fest gestellt wurde. Und wie das nunmal so ist, mit dem empfindlichen Gut, es wurde erst 10 Stunden nach dem Unfall die Bevölkerung informiert, dass da, ähm, was passiert ist. Aber was solls, man merkts ja eh, wenn der Wasserhahn leuchtet, nicht wahr?

Schön auch zu wissen, dass mittlerweile jeder in Europa etwas mit dem Namen Tricastin anfangen kann. Ein bestimmt hübsches Städtchen im Süden Frankreichs. Bestimmt nett dort Urlaub zu machen. Muss schön sein, schließlich strahlen dort die Einwohner schon über alle Backen.

Aber auch in Deutschland wird bald fleißig gestrahlt, schließlich wird immer mehr bekannt, dass das mit dem Endlagern net ganz so toll ist. Die Salzstöcke, wo das Endprodukt des 'sauberen Atomstroms' engelagert wird eben doch nicht so tausendjährig sicher ist, wie uns gern erzählt wird, sondern schon jetzt a bissal ins Grundwassser gesickert wird. Und wie blöd ist das eigentlich, davon auszugehen, dass der Atomdreck 1000 Jahre sicher im Salz verschwunden ist?

Tja, jetzt ist auch Asse in aller Munde. Wer das jetzt immer noch nicht kapiert hat, dass Atom die grösste Scheiße ist, die die Menschheit jemals hervorgebracht hat, der tut mir leid.

Hört doch endlich mal hin.

In Asse wurde schon in den 60er Jahren Atomdreck in den Berg gekarrt. Schon immer war es dort unten feucht. Ist ja klar, dass bei Rost die Fäßer zu rosten anfangen. Und irgendwann kommt es zum Leck. Aber ist ja jetzt eh schon scheißegal, weil das Bergwerk eh bald zusammen kracht. Ab 2014 muss damit gerechnet werden, dass die Stollen zusammenbrechen. Nette Aussichten, nicht wahr? Was das für die Umwelt für ein Wahnsinn ist, das ist ja noch gar nicht abzusehen.

Habt ihr auch die Zahl gelesen, wieviel Fässer dort gelagert sind? Warens 150.000? Ja, so in etwa dürfte das hinkommen.

Gerade lese ich, dass der Strahlenunfall in Belgien schlimmer war als angenommen.

Ach, nix davon gehört? Ja sowas.

Hauptsache der Atomstrom ist sauber, nicht wahr?

 

6.9.08 19:16, kommentieren